Patrizia auf einer kanadischen Ranch - Erfahrungsbericht

Patrizia ist nach Kanada aufgebrochen und hat auf einer kanadischen Ranch mitten in der Natur gearbeitet. Traumhafte Landschaften, Leben bei der Gastfamilie und spannende Arbeit auf der Farm bestimmen ihren Alltag.

Ankunft bei der Gastfamilie

Mein Flug nach Vancouver hat ohne Probleme funktioniert und auch der erste Tag in Vancouver, bevor mein Bus am nächsten Tag weiter zur Farm gefahren ist, war toll! Mein Gastpapa für den einen Tag hat gleich eine Sightseeing-Tour mit mir durch Vancouver gestartet (Stanley Park, Downtown, Lions Gate Bridge, North Vancouver...), worüber ich sehr dankbar war, da mich diese Fahrt bis zum Abend wachgehalten hat, obwohl ich müde vom Flug und der Zeitumstellung war. Den Jetlag habe ich aber echt gut verkraftet. Am nächsten Tag ging dann die 12 Stunden Fahrt mit dem Greyhound Bus von Vancouver nach South Slocan los. Als ich dort ankam hat meine Gastmama mich abgeholt und wir sind noch ca. 15 Minuten bis zur Farm gefahren.

Vom ersten Tag an habe ich mich hier auf der Farm sofort total wohlgefühlt. Meine Gasteltern sind so liebe, herzliche und ehrliche Menschen, das ist so toll!

Das Essen ist jeden Tag so unglaublich lecker! Ich finde es richtig toll, dass so gut wie alle Lebensmittel von der Farm stammen, und wenn nicht direkt von dieser Farm, dann vom Bioladen, der von umliegenden Farmen beliefert wird. Meine Gasteltern sind wirklich unglaublich gute Köche und machen tolle Kuchen!

Neben meinen zwei Gasteltern wohnen noch deren Tochter mit Mann und drei kleinen Kindern auf der Farm und es macht echt Spaß ein wenig wie die große Schwester für sie zu sein. Es gibt auch eine sehr verschmuste Katze und einen total tollen Hund, der hier ist um wilde Tiere fernzuhalten und auf die Kids aufzupassen. Ich bin so verliebt in den Hund und würde sie am liebsten mitnehmen.

Als ich Anfang April auf der Farm ankam, hatte es an ein paar Stellen noch kleine Hügel mit Schnee und die Wiesen waren noch braun vom Winter und die Bäume hatten noch keine Blätter und Blüten. In den letzten Wochen hat sich das aber so schnell geändert. Jetzt ist aber der Frühling endlich da! Ich bin froh in dieser Jahreszeit hier zu sein und die Natur beobachten zu können, wie alles zum Leben erwacht. Wenn die Sonne scheint ist es schon richtig warm hier, aber nach ca. drei Sonnentagen kommt wieder der Regen für ein paar Tage.

Farmarbeit

An sonnigen Tagen arbeite ich mit meinen Gasteltern und einer anderen Arbeiterin, die 4 mal die Woche auf der Farm hilft und eine gute Freundin geworden ist, draussen auf der Farm. Am Anfang haben wir Bäume zurückgeschnitten, Äste aufgesammelt und daraus öfter ein großes Lagerfeuer gemacht, es gab viel zu rechen, wir haben Unkraut in Blumen- und Gemüsebeeten gezupft und und und... Zurzeit pflanzen wir viele Blumen um, wozu wir Löcher graben müssen, die Erde von Wurzeln und Steinen befreien und Kompost sieben und verteilen müssen. Das sind echt anstrengende Aufgaben und am Ende des Tages bin ich immer so müde aber sehr glücklich, wenn ich sehe, was wir alles geschafft haben.

Vor 3 Wochen haben wir 120 Küken bekommen! Ich habe dabei geholfen ihnen das Trinken beizubringen, indem ich den Schnabel in Wasser getunkt habe. Das wusste ich davor auch nicht, dass sie nur so lernen zu trinken. Sie waren so süß, aber es ist unglaublich, wie schnell sie groß (und somit nicht mehr ganz so süß) werden. Vor einer Woche kamen auch 3 Rinder auf die Farm, was auch echt spannend war.

Auch an regnerischen Tagen gibt es immer viel zu tun, dann aber im Haus und nicht draußen, die Arbeit geht hier also nie aus :)

Jeden Mittwoch gehe ich mit meiner Gastmama in die Stadt Nelson. Dort wohnen 10000 Einwohner, also nicht besonders groß, aber so wunderschön und genauso wie man sich eine Kleinstadt in Kanada vorstellt. Wir liefern Eier aus, die von den ca. 70 Legehühnern von unserer Farm stammen, gehen Lebensmittel einkaufen und ich habe meistens ein wenig Zeit für mich, um die Stadt mit all den wunderschönen, besonderen Läden und Cafés zu erkunden und einzukaufen.

Wildes Kanada

Wir haben auch schon ein paar Ausflüge gemacht. Wir waren bei den Hotsprings in Ainsworth, dort gehen wir am Wochenende wahrscheinlich wieder hin, ich war mit meinem Gastpapa an einem wunderschönen See im Valhalla Provincial Park Kanufahren. Das war so beeindruckend! Die Landschaft ist atemberaubend und es ist faszinierend, wie still und menschenleer es dort ist. Bei gutem Wetter gehen wir dort nochmal hin :)

Am Abend mache ich oft einen Spaziergang durch den Wald zum Fluss, der nicht weit weg ist. Ich liebe diese friedliche Stille in der Natur und was man alles entdecken kann.

Fazit

Ich habe insgesamt ziemlich Glück mit wilden Tieren. Ich habe schon Rehe, Elche, einen Adler, viele Fischadler, Stinktiere, Bieber, Gänse, wilde Truthähne, Eichhörnchen, winzig kleine Kolibris (die fliegen immer um die Farm rum) und viele andere Vögel gesehen. Ein Bär fehlt noch in meiner Sammlung, aber ich denke ich werde auch noch einen sehen, aber hoffentlich aus sicherer Entfernung :) Ich bin insgesamt so unglaublich glücklich, froh und zufrieden und jetzt schon traurig, wenn ich daran denke, dass meine Zeit auf der Farm in circa drei Wochen schon wieder vorbei ist. Danach werde ich dann aber noch circa einen Monat durch British Columbia reisen, worauf ich mich auch schon so sehr freue! Dank meinem Gastpapa habe ich jetzt auch noch ein paar Geheimtipps bekommen, was ich auf der Reise unbedingt sehen muss. Ach ja, auch mein Englisch hat sich verbessert und ich merke wie ich inzwischen in Englisch denke und es mir leicht fällt Englisch zu reden und zu verstehen. Das fühlt sich echt gut an :)